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Februar 2026 Landratsamt Ebersberg: Die DoppelspitzeWenn die Meinung ehemaliger Mitarbeiter des Landratsamts Ebersberg allein maßgeblich wäre, dann müsste sich der seit 2013 amtierende Landrat Robert Niedergesäß nach den Kommunalwahlen am 8. März 2026 wohl eine andere Beschäftigung suchen, denn ihre Bemerkungen auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.com wie "Durch das Verhalten gewisser Personen herrscht die Angst, auch unter den Führungskräften, seine Meinung zu äußern", "Landrat auswechseln ... Führungskräfte austauschen und durch Leistungsträger ersetzen" oder "Nach außen hui innen pfui" sind wenig schmeichelhaft. Der Widerspruch zu den von der Amtsspitze gerne vorgezeigten Plaketten wie "Premier-Kommune des Jahres", einem RAL-Gütezeichen "Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung" oder einem Gütezeichen "Sicher, gesund, miteinander" in Gold ist augenfällig.Einige würden wohl am liebsten auch gleich die "Schattenlandrätin" Brigitte Keller mit abwählen, wenn das ginge (kanunu-Zitat: "Die Spitze austauschen. Beide."). Nur jeder Fünfte würde den Arbeitgeber Landratsamt Ebersberg weiterempfehlen. Dies verwundert nicht, denn intern ist die (Mit)verantwortlichkeit von Frau Keller für die inzwischen über ein Jahrzehnt lange Spur der finanziellen "Abenteuer" im Kreishaushalt, die die nach einem Schnellkurs selbsternannte "Finanzmanagerin" hinter sich herzieht, offenbar vielen klar. Ganz gleich, ob Steueroase "Seegrasstadl" in Hubertus, Kauf des Sanierungsfalls "Sparkassengebäude Ebersberg", verlorene PPP-Klagen, ungenutzte millionenschwere Personalberatersoftware, teure "Incentives" für die Mitarbeiter, sie zog im Hintergrund die Strippen, während Niedergesäß bei Spatenstichen, Eröffnungen, Übergaben von Schecks und Auszeichnungen sowie bei Empfängen den freundlichen Grußonkel spielte - eine perfekte Aufgabenteilung für Selbstdarsteller und Machtmenschen in einem nur scheinbar rechtsfreien Raum. Und wenn's "kritisch" wurde, fand man dank dieser lang eingeübten Verantwortungsdiffusion an der Spitze des Landratsamts niemand, dem oder eher der man konkretes fehlerhaftes Handeln zuordnen konnte - die Nebelkerzen durch die hauseigene vielköpfige PR(opaganda)-Abteilung gehör(t)en mit zu dem Spiel. Falls die Nachfragen des Kreistags oder der Presse trotzdem zu arg wurden, dann wurde - wie im Fall Sparkassenbau - ein Bauernopfer mit "goldenem Handschlag" in den Ruhestand verabschiedet. Selbst Sonderprüfungen durch den BKPV und durch Rödl&Partner oder "dringende Anregungen" der Regierung von Oberbayern ließen "Teflon-Robby" und die Instagrammerin @kellerlraebe bisher eher unbeeindruckt - das "mea culpa, mea maxima culpa" im Juli 2025 im Kreistag war wenig überzeugend. Denn "wenn’s ernst wird" können sich beide darauf verlassen, dass die CSU/FW/FDP/ÖDP/BP-Mehrheit im Kreistag die schützende Hand über sie hält. Und dort will man die "Hand, die sie füttert", nicht beißen: die lukrativen Geschäftchen mit dem Anbau von chinesischen FFP2-Masken in Parsdorfer Gewächshäusern sind einfach so verlockend wie Pöstchen im Verwaltungsrat der Kreissparkasse, deren Stundenhonorar jedem hart Arbeitenden die Zornesröte ins Gesicht treibt, oder der Extra(wurst)-Lärmschutz für die Verwandtschaft durch Anordnungen der Unteren Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt an einer frisch eröffneten Ortsumfahrung. Als symbolische "Sanktion" fielen der KT-Mehrheit im Juli 2025 daher nur marginale Einschränkungen der Kompetenzen des Landrats über die Geschäftsordnung ein. Angesichts der engen Verbindung zwischen dem Landrat und seiner Stellvertreterin im Amt entscheidet die Landratswahl wohl auch über das Schicksal von Frau Keller, die in den (a)sozialen Medien für #robertsaustark wirbt – denn könnte sich ein anderer Landrat auf ihre uneingeschränkte Loyalität verlassen? Zweifel sind angebracht, zumal sich mancher noch an das Durchstechen interner Dokumente an die Presse mit dem Ziel der Beschädigung des damaligen Landrats Fauth erinnert - meist führt die Beantwortung des cui bono? zum/r Verantwortlichen. Während Niedergesäß bei der Landratswahl 2020 noch vier Konkurrenten hatte, gegen die er sich bereits im ersten Wahlgang mit über 60% der Stimmen durchsetzte, sind es jetzt nur noch zwei. Für die Grünen versucht es Thomas von Sarnowski aus Ebersberg und erstmals für die AfD MdB Dr. Christoph Birghan aus Steinhöring. Sarnowski hat sich seit früher Jugend bei den Grünen engagiert und sein Werdegang zum Berufspolitiker nach dem Muster "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal" ähnelt dem von Niedergesäß. Jedoch hat es Sarnowski bisher noch in kein Amt geschafft, sondern nach ausgiebigen Studien sein Geld bisher in der grünen Politikblase verdient. Kürzlich hat sich der 37-Jährige, der seit 2020 Kreisrat ist, entschieden, die Auswirkungen der (Alternativ)Energiepolitik durch eine Tätigkeit in der gewerblichen Wirtschaft praxisnah zu erfahren und hält für die Lechwerke AG Vorträge über "Energiewende und Netzausbau auf Kurs halten - pragmatisch und bezahlbar". Die Grenzen des finanziell Leistbaren, nicht nur bei der grünen Energiepolitik im Landkreis, die einen Großteil der jährlich vielen Millionen Euro freiwilliger Ausgaben verschlingt, die die Kommunen über die Kreisumlage finanzieren müssen, sieht er besorgt. Mit Entlastung dürften die Kommunen bei einem grünen Landrat wohl nicht rechnen - die Aussichten für einen Erhalt des Kirchseeoner Hallenbads wären dann noch trüber. Einen völlig anderen Hintergrund hat der AfD-Kandidat Birghan. Der geborene Berliner, der in der Hirschledernen oder im Lodenjanker gern den Autochthonen vorgibt, kann auf ein naturwissenschaftliches Studium mit Promotion in Berlin und Greifswald und eine lange Tätigkeit als Patentanwalt in München verweisen. Doch durch lokalpolitische Aktivitäten auf Kreisebene ist er bisher nicht aufgefallen. Sein Interesse scheint eher dem Ausbau diverser rechter Netzwerke in Südbayern und Österreich, innerhalb und außerhalb der AfD, zu gelten. Das langjährige Mitglied bei der Berliner Burschenschaft Gothia und der Markomannia Aachen Greifswald, beide farbentragend und pflichtschlagend, war laut wikipedia mit anderen Korporierten in der AfD an der Gründung des Deutschen Akademikerverbands (DAV!) beteiligt, eine Sammelorganisation von Alten Herren schlagender Studentenverbindungen nach dem Vorbild der FPÖ-nahen Freiheitlichen Akademikerverbände. Die Mitgliedschaft des Büroleiters des Greifswalder CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor in der Markomannia Aachen Greifswald führte im Sommer 2025 bundesweit zu Protesten, worauf dieser aus der Burschenschaft austrat. Der NDR berichtete über die Burschenschaft damals u.a. so: "Ihr Motto: "Ehre Freiheit Vaterland". Sie lud beispielsweise den Rechtsextremisten Martin Sellner zu einem Vortrag ein. Auf Social Media warb die Burschenschaft im Nazi-Duktus mit einer "Ostland-Fahrt" ins ehemalige Ostpreußen." Aktuell sorgt Birghan mit der Einrichtung eines AfD-Büros in Traunstein für heftige Proteste. Dort will er ab Januar 2026 sein im Februar 2025 errungenes Bundestagsmandat für den Wahlkreis Traunstein-Berchtesgadener Land vertreten. So scheint seine Bewerbung für das Amt des Ebersberger Landrats vor allem PR-Zwecken für die AfD zu dienen, und das wäre besonders wirkungsvoll, wenn es zu einer Stichwahl mit dem Amtsinhaber käme. Man darf bezweifeln, dass er mit einer - zahlenmäßig wohl gestärkten AfD-Fraktion im Kreistag - an einer ernsthaften Sacharbeit im Kreistag interessiert ist, da der bisherige Baldhamer AfD-Kreisrat Manfred Schmidt, den der Ebersberger Ableger der konservativen Ippen-Presse in einem Artikel respektvoll als "unbequemsten Politiker im Landkreis Ebersberg" und als "Reißnagel auf dem Samtsofa ..., der der restlichen Politik das Leben schwer macht" bezeichnete, auf der AfD-Kreistagsliste nur noch nachrangig erscheint. Man könnte nun meinen, dass die beiden Konkurrenten dem Amtsinhaber bei einer weiteren sechsjährigen Amtszeit als Landrat nicht ernsthaft im Wege stehen könnten - wenn da nicht die Staatsanwaltschaft München II (StA Mü II) wäre. Die von Niedergesäß und seiner "Beihelferin" Keller - wiederholt ohne vorangegangenen Beschluss des Kreistags - "versenkten" Millionen waren nach diesseitiger Kenntnis bereits Gegenstand mehrerer Strafanzeigen. Anlass zum Tätigwerden sah die StA Mü II bisher wohl nicht, nun aber scheint StAin Vera Hörauf, vorher Richterin am AG Ebersberg, nicht ganz freiwillig die "Beißhemmung" abgelegt zu haben: nach Auskunft ihrer Pressestelle wurde Anfang Dezember ein "Vorermittlungsverfahren Landratsamt Ebersberg wegen Untreue", Az. 11 AR 2632/25, eingeleitet. Ein Vorermittlungsverfahren ist ein in seinem Ausgang völlig offenes Verfahren, es gilt die Unschuldsvermutung. Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Februar 2026, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite http://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"
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