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Ortsgeschichte - Berichte vom Kriegsende

Ende des 2. Weltkriegs, Einmarsch der Amerikaner - Augenzeugenberichte
Bericht von Pfr. Guggetzer aus Ebersberg vom 20. Juli 1945

Berichterstatter: Pfarrer Martin Guggetzer (1913-1946 Pfarrer in Ebersberg, seit 1946 Kommorant in Ebersberg, gestorben am 8. August 1950 in Ebersberg)
Datum: 20. Juli 1945

Im letzten Weltkrieg waren Kirchenbesuch und Sakramentenempfang befriedigend; einige Evakuierte gaben sehr gutes Beispiel, viele andere blieben ganz ferne. Die Sittlichkeit hat sich nicht gehoben; Schuld [waren] hauptsächlich die vielen einquartierten Soldaten, von denen nur ein Bruchteil die Kirche besuchte und vor dem Abmarsch ins Feld die hl. Sakramente empfing; am besten waren die Westpreußen.

Ad 1.) Gott und dem hl. Sebastian sei Dank gesagt, daß keine einzige der sieben Kirchen der Pfarrei auch nur den geringsten Fliegerschaden gelitten hat, trotzdem die Flieger zuletzt täglich über dem Luftraum Ebersberg kreuzten, auch einige abstürzten bzw. abgeschossen wurden. Einige Bomben fielen auf offenes Feld oder in den Wald; lediglich im Staatsgut Osterseeon kam Hausbeschädigung vor, wobei 2 weibliche Angestellte Verletzungen erlitten.

Ad 2.) Der Einmarsch der Amerikaner vollzog sich reibungslos; es fiel kein Schuß, obwohl noch unmittelbar vorher die SS verlangten, daß Ebersberg bis zum äußersten verteidigt werden muß. Die SS, die sich im Ebersberger Forst aufhielten, zogen unter Zurücklassung von Hunderten von Autos ab und stahlen noch ungefähr 150 Fahrräder. Amerikanische Geschütze waren schon in Stellung gebracht, doch konnte das Unheil abgewendet werden durch Hissung der weißen Fahnen. Straßen und Felder wurden durch die Panzer z.T. sehr schwer beschädigt. Einige Vergewaltigungen von Frauen und Madchen wurden bekannt; z.T. waren auch Hausdurchsuchungen brutal und rigoros, kleinere Diebstähle kamen häufig vor. Pfarrhof und Krankenhaus hatten nicnt zu leiden.

Ad 3.) Plünderungen kamen reichlich vor, vielfach angeführt Polen, Serben, Russen; leider beteiligten sich auch viele Pfarrangehörige. Erst wurden militärische Lager ausgeräumt, Kleider, Schuhe etc. Dann Ausweichlager in Schuhen, Wein etc.; die Kreisleitung, das Hitlerheim, auch mehrere Geschäfte im Orte, besonders solche, von denen man annahm, daß sie Kleider, Stoffe, Lebensmittel zurückbehalten hatten. Kirchen, Krankenhaus, Pfarrhof blieben verschont, ebenso Meßwein; Schulhäuser nicht ganz. Leider benehmen sich so manche Frauen und Mädchen würdelos gegen die Besatzungstruppen.


Quelle:
Bericht der Pfarrei Zorneding, in: Peter Pfister (Hg.): Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistums München und Freising (Schriftenreihe des Archivs des Erzbistums München und Freising, Band 8), München 2005, Seite 571



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