Kirchseeon-intern.de - Ortsgeschichte - Kirchseeon 1933-1945 - Personen: Dr. Gregor Ebner


Ortsgeschichte - Kirchseeon 1933-1945 - Personen

Dr. Gregor Ebner, Gründer der NSDAP-Ortsgruppe Kirchseeon, medizinischer Leiter des "Lebensborn"




Gregor Ebner, Aufnahme vom 10. März 1948
Quelle: US National Archives
https://catalog.archives.gov/id/169157140
Gregor Ebner im Verhör beim RuSHA Prozess
Quelle: US National Archives
Gregor Ebner im Verhör beim RuSHA Prozess
Quelle: US National Archives

Im Nürnberger Prozess, Fall VIII (RuSHA, Greifelt et. al) beschreibt Ebner im Dokument NO-4207 (NARA, M894 Rolle 8) seinen Werdegang in einer Eidesstattlichen Erklärung wie folgt:

Ich, Gregor Ebner schwoere, sage aus und erklaere:

1. Ich wurde am 24. Juni 1892 in Ichenhausen/Schwaben geboren. Ich besuchte die Volksschule in Ichenhausen und das Humanistische Gymnasium in Neuburg/Donau. Von 1912 bis 1914 studierte ich Medizin an der Universitaet Muenchen und Erlangen. Von 1914 bis 1918 war ich Weltkriegsteilnehmer. Mein letzter Rang war Feldhilfsarzt (Leutnant). Im Jahr 1919 und 1920 studierte ich wieder in Muenchen und Erlangen. Im Juni 1920 habe ich an der Universitaet in Erlangen mein Doktorexamen abgelegt. Von 1920 bis 1923 hatte ich eine eigene Praxis als praktischer Arzt in Mudau/Baden. Von 1923 bis 1937 uebte ich in Kirchseeon bei Muenchen die aerztliche Praxis als praktischer Arzt, Privat- und Kassenarzt.

2. Im Jahr 1919 war ich als Arzt fuer einige Monate Mitglied des Freikorps EPP im Range eines Leutnants. Ich wurde Mitglied der Nationalsozialistichen Patei am 1. November 1930 und erhielt die Mitgliedsnummer 340 925. Ich wurde Mitglied der SS am 29. Juli 1931 und erhielt die Mitgliedsnummer 13 966. Meine Befoerderung in der SS war wie folgt: 9. November 1932 Untersturmfuehrer, 20. April 1933 Hauptsturmfuehrer, 1. Maerz 1934 Sturmbannfuehrer, 9. September 1934 Obersturmbannfuehrer, 30.Januar 1936 Standartenfuehrer und meinen letzten Rang als SS-Oberfuerer der Allgemeinen SS erhielt ich am 20. April 1939. Nach spezieller Genehmigung des Reichsfuehrers SS Himmler wurde ausserdem angeordnet, dass mir erlaubt war, die Uniform eines Oberfuehrers der Waffen-SS zu tragen. Im Jahre 1932 und 1933 war ich der Familienarzt des Reichfuehrers SS Himmler, welcher damals innerhalb meiner Privatpraxis wohnte. Ich besitze folgende Orden und Ehrenauszeichnungen des dritten Reiches:
Kriegsverdienstkreuz 1. Klassa, Parteiauszeichnung in Bronze, Ehrendegen des Reichsfuehrers SS und das Ehrenkreuz des Deutschen Roten Kreuzes. Vor meinem Eintritt beim Lebenborn e.V. war meine Taetigkeit in der SS zuerst Abschnittsarzt beim Abschnitt I in Menchen und dann Oberabschittsarzt beim Oberabschnitt Sued in Muenchen. Am 26. Mai 1937 bin ich auf eigenen Wunsch aus der katholischen Kirche ausgetreten.

3. Am 1. Mai 1936 wurde ich zum SS-Fuehrer im Stab des Rasse- und Siedlungshauptamtes und Kommandeur und leitenden Arzt des Muetter- und Kinderheimes des Lebensborn e.V. in Steinhoering, Kreis Ebersberg, ernannt. Ungefaehr 1 Jahr fuehrte ich diese Taetigkeit gleichzeitig mit meiner Privatpraxis aus. Mitte 1937 trat ich hauptamtlich dem Lebensborn e.V. bei. Mit der Einrichtung neuer Heime vergroesserte sich meine Taetigkeit beim Lebensborn staendig, da ich mit der aerztlichen Leitung aller Lebensborn-Heime beauftragt wurde. Mit der Umgliederung des Lebensborn e.V. vom Rasse- und Siedlungshauptamt zum Persoenlichen Stab des Reichfuehrers SS erfolgte am 1. Januar 1938 meine Ernennung zum SS-Fuehrer des Persoenlichen Stabes des Reichsfuehrers SS Himmler. Von Mitte 1938 bis Mai 1940 war ich ausser meiner Taetigkeit als aerztlicher Leiter des Lebensborn e.V. der geschaeftsfuehrende Vorstand. Nach der Umorganisation der Leitung des Lebenborn e.V. im Mai 1940 durch den Eintritt des SS-Standartenfuehrers Max Sollmann, wurde dieser geschaeftsfuehrender Vorstand und ich wurde zum Leiter des Gesundheitswesens des Lebensborn e.V. ernannt. Diese Taetigkeit behielt ich bis zum Kriegsende bei. Als Leiter des Gesundheitswesens des Lebensborn e.V. war ich verantwortlich fuer den Gesundheitszustand aller Lebensborn-Kinder Muetter, das ist einschliesslich der Kinder, welche vom Lebensborn e.V. aus dem Ausland uebernommen wurden. Bei Kindern aus dem Ausland, wo keinerlei Dokumente vorlagen, war es meine Aufgabe, das ungefaehre Alter feststellen zu lassen. Es war auch meine Aufgabe zu entscheiden, ob die aus Deutschland oder dem Ausand stammenden Kinder adoptionsfaehig sind. Waehrend meiner Taetigkeit beim Lebensborn e.V. fuehrte ich stets den hoechsten SS-Rang dieser Organisation. Von Mitte 1942 - Anfang 1943 war ich Leiter der Hauptabteilung A ausserdem.

4. Ausser den bereits in Paragraphen 2 und 3 beschriebenen Taetigkeiten in der SS und der Partei fuehrte ich folgende Arbeiten im Nationalsozialistischen Reich aus: a) Erster Vorsitzender in Deutschland des Diszip1inar-Gerichtshofes des Nationalsozialistischen Aerztebundes
b) Redner im Rassenpolitischen Amt der Nationalsozialistische Partei und Kreisbeauftragter fuer Erb- und Rassefragen des Lanndkreises Ebersberg.
c) Im Jahre 1941 einmalige Beauftragung zur Durchfuehrung einer rassepolitischen Unteresuchung auslaendischer Kinder (Rumaenen) durch den Reichsfuehrer SS Himmler. Diese Untersuchung fuehrte ich in Schloss Langenzell bei Heidelberg, einem Lager der Volksdeutschen Mittelstelle, durch.Der Beurteilungsbericht dieser Untersuchung ging dem Reichfuehrer SS Himmler durch den geschaeftsfuehrenden Vorstand des Lebensborn e.V., SS-Standartenfuehrer Sollmann zu. Ausserdem wurde ich am 1. April 1942 zum Hauptabteilungsleiter im Persoenlichen Stab des Reichfuehrers SS ernannt und am 20. Mai 1943 zur Stabskompanie der Waffen-SS beim Rasse- und Siedlungshauptamt berufen, wo ich jedoch keinen Dienst versehen habe. Nuernberg, den 24. Juni 1947
[Unterschrift Dr. Gregor Ebner]


Ebner, Dr. med. Gregor, geboren in Ichenhausen (Bayern) am 24.06.1892, gestorben in Wolfratshausen am 22.03.1974.
Zweites von sieben Kindern des Hotelbesitzers Andreas Gregor Ebner (geb. Ichenhausen 14.09.1862, gest. Ichenhausen 19.08.1937) und seiner Ehefrau Maria geb. Maurer (geb. Straß 26.06.1868, gest. Ichenhausen 21.07.1930)

  • 00.00.1899 - 00.00.1903 Volksschule in Ichenhausen
  • 00.00.1903 - 00.00.1912 humanistisches Gymnasium in Neuburg/Donau (geistliche Erziehung in einem Internat)
  • 00.00.1912 - 00.08.1914 Studium der Medizin an der Universität München
  • 20.08.1914 - 10.12.1918 Kriegsfreiwilliger im Sanitätsdienst des 1. Bayerischen Fußartillerie-Regiments und des Bayerischen Feldlazaretts 63
  • 10.03.1917 ärztliche Vorprüfung
  • 04.06.1918 Feldhilfsarzt, 10.12.1918 aus dem Heeresdienst entlassen
  • Kriegsauszeichnungen: Eisernes Kreuz II. Klasse, Bayerisches Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Schwertern
  • 16.06.1919 - 31.08.1919 Angehöriger des Freikorps Epp (Jäger-Schützen-Brigade 21)
  • 00.00.1919 - 00.00.1920 Fortsetzung des Studiums an den Universitäten München und Erlangen,
  • 16.05.1920 medizinisches Staatsexamen in Erlangen
  • 29.05.1920 Promotion in Erlangen; Thema der Dissertation "Die Behandlung entzündlicher Adnexerkrankungen mit Terpentinöleinspritzungen und ihre Wirkung auf das Blutbild" (Die maschinenschriftliche Arbeit umfasst 31 S. und ist an der UB Erlangen-Nürnberg einsehbar, Sign. H00/4 U 25-1640)
  • 08.06.1920 Approbation in Erlangen
  • 00.00.1920 - 00.00.1923 Landarzt in Mudau bei Wittenberg (Baden)
  • 29.11.1920 Eheschließung mit Maria Jedelhauser (geb. Kleinkötz/Bayern 30.08.1899; Tochter eines Brauereibesitzers)
  • 00.00.1923 - 00.00.1937 Landarzt in Kirchseeon bei München
  • 00.00.1930 Bekanntschaft (später Duzfreundschaft) mit Heinrich Himmler bei der Studentenverbindung "Apollo" in München
  • 00.00.1930 - 00.00.1933 Familienarzt Himmlers
  • 01.11.1930 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 340.925)
  • 00.12.1930 Gründer der Ortsgruppe Kirchseeon der NSDAP
  • 00.12.1930 Ortsgruppenleiter der NSDAP in Kirchseeon, stellvertretender Kreisleiter der NSDAP
  • 29.07.1931 Eintritt in die SS (Mitgliedsnr. 13.966)
  • 01.09.1931 SS-Anwärter
  • 01.09.1931 SS-Mann
  • 29.10.1931 - 27.11.1931 2. Sturmbannarzt des SS-Sturmbanns II/1 (München)
  • 27.11.1931 - 09.11.1932 2. Sturmbannarzt des SS-Sturmbanns III/1 (mit Wirkung vom 29.10.1931)
  • 00.00.1932 Eintritt in den NSDÄB
  • 09.11.1932 SS-Sturmführer
  • 09.11.1932 - 11.05.1933 Sturmbannarzt des SS-Sturmbanns III/1
  • 11.05.1933 SS-Sturmhauptführer (mit Patent vom 20.04.1933)
  • 11.05.1933 - 01.03.1934 Abschnittsarzt (m.d.W.d.G.b.) des SS-Abschnitts I (mit Wirkung vom 20.04.1933)
  • 01.03.1934 SS-Sturmbannführer
  • 01.03.1934 - 30.04.1936 Oberabschnittsarzt des SS-Oberabschnitts Süd
  • 00.00.1934 - 00.05.1938 Stellvertretender Vorsitzender des Disziplinargerichtshofes des NSDÄB, Kreisredner des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, Kreisbeauftragter für Erb- und Rassefragen des Landkreises Ebersberg
  • 29.08.1934 SS-Obersturmbannführer (mit Patent vom 09.09.1934)
  • 24.01.1936 SS-Standartenführer (mit Patent vom 30.01.1936)
  • 28.04.1936 - 01.05.1936 auf eigenen Antrag als SS-Oberabschnittsarzt beurlaubt
  • 01.05.1936 - 01.01.1938 SS-Führer im Stab des RuSHA
  • 01.05.1936 - 01.01.1938 Kommandeur (ab 29.01.1937 Leiter) und leitender Arzt des SS-Mütter- und Kinderheimes "Hochland" in Steinhöring bei Ebersberg (Obb.)
  • 00.00.1937 Übernahme als hauptamtlicher Mitarbeiter des Vereins "Lebensborn e.V."
  • 26.05.1937 Austritt aus der kath. Kirche
  • 00.00.1937 - 01.04.1943 ärztlicher Leiter und Leiter des Gesundheitswesens des gesamten "Lebensborn e.V."
  • 01.01.1938 - 00.05.1945 SS-Führer im Persönlichen Stab RFSS - Verein "Lebensborn e.V."
  • 01.02.1938 - 11.04.1940 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins "Lebensborn e.V." (München)
  • 23.05.1938 - 00.05.1945 Vorsitzender des Disziplinargerichtshfes des NSDÄB
  • 20.04.1939 SS-Oberführer
  • 11.04.1940 - 00.05.1945 Mitglied des Kuratoriums des Vereins "Lebensborn e.V."
  • 01.05.1942 - 00.00.1942 Leiter der Hauptabteilung A (Arbeit) des Amtes L (Lebensborn) im Persönlichen Stab RFSS
  • 08.08.1942 mit Wirkung vom 01.04.1942 zum Hauptabteilungsleiter im Persönlichen Stab Reichsführer-SS ernannt
  • 23.09.1942 Genehmigung des RFSS zum Tragen der Achselstücke eines "Oberstarztes der Waffen-SS"
  • 01.04.1943 - 00.05.1945 Hauptabteilungsleiter der Hauptabteilung G (Gesundheitswesen) des Amtes L im Persönlichen Stab RFSS
  • 20.05.1943 zur Stabskompanie der Waffen-SS beim RuSHA einberufen und unter gleichzeitiger Kommandierung zum Lebensborn e.V. der Hauptabteilung Fürsorge und Betreuung zur Dienstleistung zugeteilt
  • 05.07.1945 in Haft genommen
  • 01.07.1947 - 10.03.1948 Angeklagter im Nürnberger RuSHA-Prozess (Fall VIII)
  • 10.03.1948 wegen Organisationsverbrechen (Mitgliedschaft in der SS) zu 2 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt (galt als verbüßt)
  • 10.03.1948 aus der Haft entlassen
Quellen:
http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=16756
Auskunft der Dissertationenstelle/Pflichtstelle der Uiversitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg vom 01. Juni 2015


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