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Kirchseeon-intern.de - Wissens- und Sehenswertes aus Kirchseeon |
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Januar 2026 Kirchseeon: Von schwarzen NullenWenn der Bettler abends den Erlös aus der Schnorrerei und dem Sammeln von Pfandflaschen in Ess- und Trinkbares umsetzt und noch etwas für den Folgetag zurücklegt, dann schließt er seine "Kasse" mit einer "schwarzen Null" ab: er hat nicht mehr ausgegeben, als ein eingenommen hat, sein "Finanzhaushalt" ist ausgeglichen. Doch wenn seine Hose oder seine Schuhe in nächster Zeit Löcher bekommen und eine Reparatur oder ein Neukauf notwendig werden, ist kein Geld dafür da.Ein solches Leben von der Hand in den Mund kennzeichnet auch heute noch das Wirtschaften der meisten Kommunen wie auch vom Bund und den Ländern und auch der Deutschen Bahn (und alle ihre Vorgänger von der k. b. Staatseisenbahn bis zur Deutschen Bundesbahn) und wird dort als kamerale Haushaltsführung oder kurz Kameralistik bezeichnet. Wen wundert es, dass trotz "schwarzer Nullen" immer mehr Gemeinden in einen Sanierungsstau geraten und im Land "plötzlich" oder "überraschend" überall marode Brücken und Straßen entdeckt werden und Züge wegen defekter Gleise unpünktlich sind? Die Google KI meint "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die "schwarze Null" in der Kameralistik ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für eine tatsächlich nachhaltige und dauerhaft leistungsfähige Haushaltswirtschaft ist. Sie signalisiert [nur] die Erfüllung der Mindestanforderungen an die Liquidität" und führt weiter aus "Trotz dieser zentralen Bedeutung gibt es Einschränkungen im Aussagewert der "schwarzen Null" im kameralen System, die oft Anlass für die Umstellung auf die Doppik waren", denn "die schwarze Null im Verwaltungshaushalt sagt nichts darüber aus, ob die Kommune genug Geld in die Hand nimmt, um ihre Infrastruktur (Schulen, Straßen) instand zu halten." Im Landratsamt Ebersberg hat man schon vor vielen Jahren die Konsequenzen gezogen und auf die doppelte Buchführung, kurz Doppik, umgestellt und sich als Nebeneffekt ärmer gerechnet als man ist, um so ganz legal den kameral rechnenden Landkreiskommunen eine höhere Kreisumlage abknöpfen zu können (vgl. VG Bayreuth, Urteil v. 19.01.2023 – B 9 K 19.271). Aber in Kirchseeon wird gewirtschaftet, als gäbe es kein morgen: beim Wasserwerk tat man jahrzehntelang so, als würden die Leitungen ewig halten und man müsse daher keine Rückstellungen treffen, in der Abwasserentsorgung sorgte man trotz steigender Einwohnerzahlen und technischer Anforderungen nicht vor und die Kirchseeoner mussten die Schließung ihrer Kläranlage und den Anschluss an das Finsinger Klärwerk teuer bezahlen. Und ein gemeindlicher Wohnblock nach dem anderen wurde/wird mangels rechtzeitiger Erneuerung abgerissen und auf vielen Straßen - natürlich nicht denjenigen, an denen Gemeinderäte wohnen - kann man nach jedem Frostaufbruch ein "Teerbatzen-Puzzle" spielen.
Kirchseeoner Teerbatzen-Puzzle Kaufanfragen sind an den 3. Stock des Rathauses zu richten - Selbstabbau vor Ort erforderlich Aktuell sind es das Hallenbad und die Eglhartinger Schule, für deren Erhalt nicht rechtzeitig vorgesorgt wurde und für die jetzt Dutzende Millionen fehlen. Das "eingesparte" Geld wurde in großzügige Geschenke an die Wähler in den Vereinen, in "Ortskosmetik" mit Märchenschildern, Parkbänken, Granitumfassungen, die Autoreifen- und -felgen beschädigen, und in "Volksbelustigungen" "investiert". Nachhaltig ist etwas anderes.
Phantasieschild aus dem Internetshop am Kirchseeoner Marktplatz Wenn sich daher Bürgermeister Jan Paeplow trotzdem rühmt, er würde toll wirtschaften("Kirchseeon steht gut da"), weil sein Haushalt eine "schwarze Null" aufweise, dann zeugt das von Realitätsverlust oder Unkenntnis des kommunalen Bilanzwesens - oder er will die Bürger und Wähler bewusst "hinter die Fichte" führen. Oder alles zusammen, was man bei der von ihm behaupteten "schwarzen Null" beim "Schwellenwerk-Revitalisierungsprojekt" der ECE Work & Live annehmen muss. Wenn die Kämmerin dem Gemeinderat damals hätte Rede und Antwort stehen müssen, wäre wohl aufgeflogen, dass die "vergessenen" Nachfolgelasten in der Zukunft zu dicken roten Zahlen in der Gemeindekasse geführt hätten - doch diese Aufklärung wurde verhindert. Jedoch war der Wähler nicht so dumm, wie ihn die Rathausspitze wohl hielt - im Bürgerentscheid 2023 sprach sich eine 2/3-Mehrheit gegen das Projekt aus. Brechen aber wie in Kirchseeon auch noch seit inzwischen über vier Wahlperioden die Einnahmen weg bzw. wachsen diese nicht mit der Einwohnerzahl, dann kann auch der "Blitzer" an der B304 über die Finanznot nicht hinwegtäuschen – dessen Erlöse sind nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die obige Grafik zeigt den in der Landkreis-Nachkriegsgeschichte einmaligen finanziellen Abstieg des Marktes, dargestellt anhand der sogenannten Steuerkraft: diese Summe aus der Grundsteuer und den Umlagen aus der Einkommens-, Umsatz- und Gewerbesteuer ist die Haupteinnahmequelle einer Kommune. Die Grafik benennt auch die Hauptverantwortlichen für den wirtschaftlichen Niedergang: die CSU stellt seit 2002 ununterbrochen den Bürgermeister und die größte Fraktion im Gemeinderat. Auch in der laufenden Periode gab es keine Trendwende - als Bundesligatrainer wäre Paeplow wegen Erfolgslosigkeit schon längst in seine Lausitzer Heimat zurückgeschickt worden, doch nur in Bayern und einem weiteren Bundesland ist die Abwahl von Bürgermeistern nicht möglich. Seit dem Artikel "Arm, und auch nicht sexy" in der Ausgabe September 2023 der Zeitschrift Der Oberbayer, in dem das finanzielle Scheitern von Paeplow und seiner CSU ausführlich thematisiert wurde, wird als Reaktion der Haushaltsplan anders als all die Jahre zuvor nicht mehr auf der gemeindlichen Internetseite veröffentlicht: das Transparenzversprechen im Wahlprogramm "kirchseeonplan" erweist sich so als simple Wählertäuschung. Dieser Abstieg ist auch nicht schicksalshaft, wie die neue Spitze der UWG zur eigenen Exkulpation meint, sondern hausgemacht. Dafür steht exemplarisch die von den Gemeinderäten maßgeblich mitbeschlossene Umwandlung vieler einstiger Ladenflächen am Marktplatz und entlang der Münchner Straße in Wohn- und Büroräume. Die ziehen aber keine Laufkundschaft an und daher fehlt es jetzt an Attraktivität. Und weil es an Attraktivität fehlt, leiden auch die Umsätze - ein Teufelskreis, der durch die in Kirchseeon gegenüber den Nachbargemeinden deutlich geringere Kaufkraft pro Kopf noch beschleunigt wird. Nun war strategische Ortsplanung noch nie eine Stärke der Kirchseeoner Gemeinderäte. Bei der Kirchseeoner UWG - eine Gruppierung, die laut ihrer Satzung kein Programm haben will - beschäftigt man sich seit Jahren lieber damit, an welchen Verein man das Geld, das man nicht hat, verschenken soll. Andere wiederum produzieren viel bedrucktes Papier mit Leitbildern, Grundsatzbeschlüssen, Visionen und Masterplänen. Alles nur heiße Luft und viel leeres Geschwätz von einem, der sich gern reden hört, denn woher das Geld dafür herkommen soll, weiß keiner und scheint auch keinen zu interessieren: vom Schlaraffenland und vom reichen Onkel Otto aus Amerika, pardon aus Hamburg, der alle Kirchseeoner Probleme lösen soll, wird man doch wohl noch träumen dürfen, wenn die Realität schon so trostlos ist... Mit "Ortskosmetik", der Lieblingsbeschäftigung von Paeplow neben seinem Faible für die Totalüberwachung von Bürgern durch Videokameras und gewerbliche Sicherheitsdienste, lässt sich daran aber jedenfalls nichts ändern. Auch den von ihm ausgewählten undemokratischen "Bürgerräten" fiel neben mehr Grün und "Wasserspielen" am Marktplatz nur ein, in Eglharting ein neues Gemeindezentrum zu errichten – das Bebauungsplanverfahren wurde bereits eingeleitet. Strebt die parteiübergreifende "Eglharting-First"-Fraktion im Gemeinderat um den Mitinhaber der "Kohl Immobilien GmbH" jetzt ungeniert die Loslösung Eglhartings von Kirchseeon und eine Revision der Gemeindebildung im Jahr 1939 an? Viele Kirchseeoner werden ab dem 17. Januar 2026 schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es heißt, wenn der "Eglhartinger Schwanz mit dem Kirchseeoner Hund" wedelt. Dann schließt der REWE-Markt renovierungsbedingt bis in den März hinein und es wird im Kirchseeoner Zentrum keine Nahversorgung mit Lebensmitteln mehr geben. Gab es dort dereinst drei bis vier fußläufig erreichbare Supermärkte, gibt es nun nur noch den REWE-Markt. Vor allem Senioren werden dann vor der Frage stehen, wie sie an das äußerste Ortsende von Eglharting und wieder zurück gelangen sollen, wo "dank der ortsplanerischen Weitsicht" der Gemeinderäte Aldi, Edeka und Lidl - demnächst kommt noch Action dazu - ihre Großflächenmärkte errichten durften und damit wohl bewußt die Nahversorgung im Ortskern ausgetrocknet wurde. Oder war und ist das gar Absicht? Angesichts der schon jahrzehntelangen Diskussion um öffentliche Toiletten in Kirchseeon muss man sich auch fragen, ob die Errichtung einer teuren Öko-Luxustoilette am entlegenen Neukirchener Friedhof wirklich prioritär war, wenn der Verfasser dieser Zeilen gleichzeitig erleben musste, dass eine Grundschullehrerin ihre vom Spielen auf den teuren Monsterspielgeräten am Spielplatz am Marktplatz erschöpften Kinder mangels dortiger Toilette zum "Bieseln" auf den angrenzenden kath. Pfarrfriedhof St. Josef schickt. Wenigstens hat die Bauaufsicht im Landratsamt Ebersberg die kath. Kirchenverwaltung St. Josef zur Aufstellung eines Bauzauns rund um Kirchenturm und Apsis bewegen können und so dafür gesorgt, dass die Kinder dabei nicht von herabfallendem Mauerwerk erschlagen werden... Denn für eine Reparatur scheint die Kirchenverwaltung mit Kirchenpfleger Peter Kohl (CSU Eglharting) nach einer teuren Renovierung der Eglhartinger Kirche kein Geld mehr übrig zu haben - gilt auch in der Kirchenverwaltung "Eglharting First"? Die Stiftungsaufsicht bei der Erzdiozese München-Freising wollte auf Anfrage auch einen Verkauf des kath. Pfarrhauses am Bleibinhausweg in Kirchseeon nicht ausschließen. Verwundert frägt man sich mit dem französischen Philosophen Joseph Marie de Maistre (1753-1821), dem der Spruch "Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient" zugeschrieben wird: Womit haben die Kirchseeoner Bürger diese Gemeinderäte und diesen Bürgermeister verdient? Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Januar 2026, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite http://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"
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